2-Klick Button für mehr Datenschutz
Soziale Netzwerke boomen, wie nie zuvor, die allseits bekannten und viel umstrittenen Facebook "Like"-Buttons finden sich längst nicht mehr nur auf Blogs von Technik-Freaks, sondern auch auf den Webseiten seriöser Unternehmen, Twitter und Google-Buttons sind oft ebenfalls vorhanden:
Wieso aber sind sie aus Datenschutzsicht denn so brisant? Die Erklärung ist einfach: Diese Buttons werden technisch gesehen so in die Internetseiten eingebettet, dass der Browser selbst, also der Internet Explorer, Mozilla Firefox oder Opera die Inhalte von den Servern der entsprechenden Netzwerke anfragt. Darüber gibt er zwangsläufig Informationen über Sie an die Betreiber weiter:
- Ihre IP-Adresse und dadurch auch Ihren Internet-Provider, wie T-Online, Unitymedia, o.ä.
- Name und Version Ihres Browsers, Ihres Betriebssystems, Ihrer Plugins, Ihrer Sprache, Ihrer Bildschirmauflösung
- Ihren ungefähren Aufenthaltsort
- Die von Ihnen besuchte Internetseite
- ...
Diese Informationen werden zwar generell an jeden Server gesendet, von dem Sie eine Internetseite abrufen, es handelt sich also nicht um eine Hackerkunst der Netzwerkbetreiber, der Knackpunkt ist jedoch, dass diese Server ohne Ihr Einverständnis kontaktiert werden und Sie keine Gelegenheit haben, der Übermittlung zu widersprechen. Wenn Sie also das Onlineportal des Sterns aufrufen, sendet der Browser bereits beim Aufruf auch Daten an Facebook:
GET / HTTP/1.1
Host: www.stern.de
User-Agent: Mozilla/5.0 (Windows NT 6.1; WOW64; rv:6.0.2) Gecko/20100101 Firefox/6.0.2
Accept: text/html,application/xhtml+xml,application/xml;q=0.9,*/*;q=0.8
Accept-Language: de-de,de;q=0.8,en-us;q=0.5,en;q=0.3
Accept-Encoding: gzip, deflate
Accept-Charset: ISO-8859-1,utf-8;q=0.7,*;q=0.7
Connection: keep-alive
GET /plugins/likebox.php?href=http%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fstern&width=300&colorscheme=light&show_faces=true&border_color&stream=false&header=false&locale=de_DE&height=256 HTTP/1.1
Host: www.facebook.com
User-Agent: Mozilla/5.0 (Windows NT 6.1; WOW64; rv:6.0.2) Gecko/20100101 Firefox/6.0.2
Accept: text/html,application/xhtml+xml,application/xml;q=0.9,*/*;q=0.8
Accept-Language: de-de,de;q=0.8,en-us;q=0.5,en;q=0.3
Accept-Encoding: gzip, deflate
Accept-Charset: ISO-8859-1,utf-8;q=0.7,*;q=0.7
Referer: http://www.stern.de/
Connection: keep-alive
Wenn Sie nun vor dem Aufruf der Internetseite darüber hinaus noch bei Facebook eingeloggt waren, wird auch diese Information übertragen und der Betreiber, in diesem Fall Facebook hat die Möglichkeit, Ihr Surfverhalten direkt zu Ihrem Benutzerkonto zuzuordnen.
Abhilfe durch 2-Klick Button
Seit ca. einer Woche ist der sogenannte 2-Klick Button der Heise Medien Gruppe "auf dem Markt". Dieser Knopf ist genauso genial, wie einfach und offengestanden versteh' ich als Informatiker den Hype nur bedingt, weil es sich dabei wirklich um keine große Sache handelt. Bei diesen Knöpfen handelt es sich im Wesentlichen nur um Grafiken, die den eigentlichen Quellcode, der normalerweise zur Einbettung der original Schaltflächen von Facebook, Twitter, Google und Co. notwendig wäre, erst dann der Internetseite hinzufügen, wenn sie geklickt werden. Dabei ersetzt sich dann der entsprechende Knopf durch sein "nach Hause funkendes" Pendant. Man muss die eigentliche Funktion also durch den ersten Klick sozusagen "scharf" schalten. Im Zuge dessen werden also beim initialen Seitenaufruf, beispielsweise von heise.de, zunächst einmal nur die Grafiken und der Programmcode zur Benutzung der Knöpfe von den Servern der Heise Medien Gruppe geladen. Informationen, die Sie im Zuge dieser Anfrage über sich preisgeben, geben Sie sowieso wissentlich durch den Aufruf der Seite selbst über sich preis, oder nehmen es zumindest billigend in Kauf. Erst, wenn Sie also die Knöpfe zum ersten Mal klicken, werden diese Informationen auch an Facebook & Co. gesendet. Also: Klarer Daumen hoch für die IT Jungs von Heise! Dass Facebook die Sache stinkt und offenbar ein großes Interesse an diesen Daten hegt, zeigen übrigens auch die Reaktionen auf den Button...
Der Code für die Schaltflächen wird mittlerweile übrigens unter einer freien Lizenz (auch zur kommerziellen Nutzung) zum Download angeboten und wurde auch bereits in Plugins für diverse Blog und Content-Management Systeme gegossen. Grund genug, um genügend Druck auf die Seitenbetreiber auszuüben, die Dinger endlich einzubauen!
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